HOAI Extrapolation: Honorar über Tabellenwerte hinaus berechnen

HOAI Extrapolation im Überblick:
- Extrapolation berechnet Honorare für Projekte, deren anrechenbare Kosten über den höchsten Tabellenwert der HOAI-Tafeln steigen.
- Anders als Interpolation gilt Extrapolation nicht automatisch; die Vergütung richtet sich nach der üblichen Vergütung (§ 632 BGB).
- Saubere Dokumentation und nachvollziehbare Berechnungen schützen vor Streitigkeiten und Honorarkürzungen.
Die HOAI-Extrapolation wird relevant, wenn die anrechenbaren Kosten eines Projekts über den höchsten Tabellenwert der HOAI-Tafeln hinausgehen.
Für Architekt:innen und Ingenieur:innen ist es deshalb entscheidend, Leistungsumfang, Kostenentwicklung und Berechnung nachvollziehbar zu dokumentieren, damit das Honorar im Streitfall rechtssicher geltend gemacht werden kann.
Was ist HOAI Extrapolation?
Extrapolation beschreibt die Fortschreibung des Honorars über die vorgegebenen Tabellenwerte hinaus. Sie kommt zum Einsatz, wenn:
- die anrechenbaren Kosten eines Projekts die höchsten Werte der HOAI-Tabelle überschreiten,
- zusätzliche Leistungen erbracht werden, die nicht exakt in einer Leistungsphase abgebildet sind,
- oder bei besonders komplexen Projekten ein erhöhter Arbeitsaufwand entsteht.
Die Extrapolation liegt rechtlich außerhalb der Standard-Honorartafeln, ist aber anerkannt, wenn die Berechnungen transparent und nachvollziehbar dokumentiert sind.
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Unterschied Interpolation vs. Extrapolation
Extrapolation ist damit gerichtlich anerkannt, erfordert aber mehr Nachweise als die Interpolation.
- Interpolation: Berechnung innerhalb der Honorartabelle, linear und nachvollziehbar, Standardverfahren.
- Extrapolation: Berechnung über die Tabellenwerte hinaus, nur bei außergewöhnlich hohen Kosten, bedarf detaillierter Dokumentation und Begründung.
Merksatz: Interpolation ist Standard, Extrapolation die Ausnahme, die besonders gut dokumentiert werden muss.
Wie funktioniert die HOAI Extrapolation?
Die HOAI selbst gibt keine konkreten Formeln für Extrapolation vor. Dennoch hat sich ein praxisbewährtes Vorgehen etabliert:
- Ermittlung des oberen Tabellenwerts der Honorartabelle als Ausgangspunkt
- Erfassung der tatsächlichen Projektkosten oder des erweiterten Leistungsumfangs
- Begründung der Abweichung vom Tabellenwert (z. B. Zusatzleistungen, ungewöhnlich hoher Aufwand)
- Dokumentierte Berechnung des extrapolierten Honorars unter Berücksichtigung des tatsächlichen Aufwandes
Damit ersetzt die Extrapolation nicht die übliche Vergütung nach § 632 BGB, sondern ergänzt sie für Kostenlagen, die in der HOAI nicht abgebildet sind.
Rechenbeispiel: HOAI Extrapolation bei anrechenbaren Kosten
Im Gegensatz zur Interpolation innerhalb der Tabellenwerte existiert für die Extrapolation keine konkrete Rechenformel in der HOAI. Die Vergütung richtet sich vielmehr nach der üblichen Vergütung nach § 632 BGB.
Tabellenwert oben: 500.000 € → Honorar 60.000 €
Tatsächliche Kosten: 650.000 € → keine Tabellenvorgabe
Mehrkosten: 150.000€ → 30% des oberen Tabellenwerts
Proportionaler Honoraraufschlag → 60.000 € × 1,3 ≈ 78.000 €
Extrapoliertes Honorar: ca. 78.000 € (gerichtsfest bei sauberer Dokumentation)
Hinweis: Die Höhe des Honorars muss klar dokumentiert und nachvollziehbar begründet werden, um vor Gericht Bestand zu haben.
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Typische Anwendungsfälle der HOAI Extrapolation
Extrapolation wird eingesetzt, wenn die erbrachten Leistungen oder die Kosten über die Honorartafel hinausgehen, zum Beispiel:
- außergewöhnlich hohe Baukosten
- nachträgliche Zusatzleistungen oder Änderungen im Leistungsumfang
- Sonderaufträge, die im ursprünglichen Vertrag nicht enthalten waren
- kostenintensive Anpassungen während der Bauausführung
Warum ist Extrapolation beim Architektenhonorar wichtig?
Eine fehlende oder fehlerhafte Berechnung kann zu Honorarkürzungen oder Streitigkeiten führen. Die Extrapolation schützt ArchitektInnen und IngenieurInnen durch:
- Rechtssicherheit: Alle Berechnungen sind nachvollziehbar und prüfbar.
- Faire Vergütung: Honorar deckt den tatsächlichen Aufwand ab.
- Transparenz: Auftraggeber können nachvollziehen, wie sich das Honorar zusammensetzt.
- Haftung minimieren: Willkürliche Kürzungen oder unklare Berechnungen werden vermieden.
Fazit: Honorar richtig bemessen bei außergewöhnlicher Kostenlage
Extrapolation ist kein Standard, sondern ein Werkzeug für außergewöhnliche Kostenlagen. Korrekt angewendet schützt sie PlanerInnen vor finanziellen Nachteilen, muss aber transparent berechnet und sauber dokumentiert werden.
Damit extrapolierte Honorare rechtssicher sind, müssen Architekt:innen und Ingenieur:innen:
- die tatsächlichen Kosten und Leistungen klar dokumentieren,
- Leistungsumfang, Zusatzaufträge und Änderungen nachvollziehbar festhalten,
- Rechenweg und Begründungen für die Extrapolation archivieren,
- Änderungen während der Projektlaufzeit revisionssicher speichern.
HOAI-Software kann diese außergewöhnliche Honorarbemessung stark vereinfachen, indem sie Berechnungen automatisch erfasst und die Dokumentation für PrüferInnen jederzeit abrufbar macht.










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